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Als angehende Landschaftsgärtnerin gestaltet sie ihren Weg mit Klarheit, Durchhaltewillen und viel Selbstreflexion – getragen von verlässlicher Unterstützung, festen Strukturen und dem Mut, offen mit ihrer eigenen Besonderheit umzugehen.

Sophie unterwegs im Berufsbildungszentrum IDM in Thun.

Sophia Vlinder Cortesi

Ausbildung: Gärtnerin EFZ, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau (im August 2026 startet sie ins dritte und letzte Lehrjahr)

Alter: 17 Jahre

Lieblings-App: Instagram

Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Ich würde sagen: direkt, freundlich, hilfsbereit.

Was ist typisch für dich – laut deinen Kolleginnen und Kollegen?

Dass ich immer sehr genau bin und versuche, es allen recht zu machen, damit es fair ist. Ich arbeite stets speditiv.

Wie verbringst du deine Freizeit am liebsten?

In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit in der Natur, im Stall bei den Kühen oder beim Sport: auf dem Rennvelo, beim Joggen oder beim Klettern.

Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Ich habe mich für den Beruf Landschaftsgärtnerin entschieden, weil ich sehr gerne draussen bin und körperlich arbeiten wollte. Den ganzen Tag im Büro zu sein, wäre für mich nichts.

Wann hast du gemerkt: Das ist mein Beruf?

Als ich am Abend vom Schnuppern nach Hause kam und mich richtig ausgepowert und gleichzeitig glücklich gefühlt habe.

Wie bist du zu deinem aktuellen Lehrbetrieb gekommen?

Das war bei mir ein bisschen kompliziert. Zuerst war ich in einem anderen Betrieb, das hat jedoch gar nicht funktioniert. Als ich Mitte des 1. Lehrjahrs wechseln wollte, kam ich auf Green Gartengestaltung in Meiringen. Diesen Betrieb kannte ich bereits, weil ich dort während der Oberstufe geschnuppert habe.

«Ich arbeite gerne draussen und will mich am Abend richtig ausgepowert fühlen.»

erzählt Sophie über ihre Berufswahl

Was gefällt dir am Schulalltag besonders gut?

Das Zusammensein mit meinen Kollegen und dass man immer wieder Neues lernen kann.

Was macht eine gute Begleitung in der Ausbildung aus?

Dass man unterstützt wird und sich jemand die Zeit nimmt, die man braucht, um etwas zu lernen oder zu verstehen. Dass immer jemand da ist, wenn man Fragen hat – und auch dann, wenn privat mal etwas nicht so gut läuft.

Gibt es eine Lehrperson, die dich besonders geprägt hat? 

Mein Berufskundelehrer Roland Zwahlen. Er hat mir am meisten beigebracht und mich darin unterstützt, besser mit meinen Herausforderungen während der Tests umzugehen. Wegen meines ASS und meiner Prüfungsangst durfte ich Tests separat in einem Raum schreiben. Ich habe mit Roland daran gearbeitet und konnte am Schluss sogar die Zwischenprüfung in der Aula sowie normale Tests im Klassenzimmer schreiben.

«Abwechslungsreich – genau das macht meine Ausbildung für mich aus.»

bringt Sophie ihre Lehre auf den Punkt

Für konzentriertes Arbeiten oder während Tests darf sich Sophia in das Lehrpersonenbüro zurückziehen.

Für konzentriertes Arbeiten oder während Tests darf sich Sophia in das Lehrpersonenbüro zurückziehen.

Fotos © KOM BBZ IDM

Du gehst offen mit deinem ASS um. Wann hast du diese Diagnose erhalten?

Ich habe schon seit ich klein bin bemerkt, dass ich irgendwie anders bin. Die Diagnose Autismus-Spektrum-Störung habe ich jedoch erst im Sommer 2023 erhalten.

Was bedeutet ASS für dich persönlich?

Für mich bedeutet mein Autismus nicht, dass ich «falsch» bin, sondern einfach etwas anders. Ich kann zum Beispiel nicht spontan sein, habe Mühe, anderen Menschen in die Augen zu schauen, oder von meiner Routine abzuweichen. Durch mein ASS bin ich stärker auf meine wichtigsten Bezugspersonen angewiesen als Gleichaltrige. Ich brauche häufig Unterstützung – zum Beispiel bei Ausflügen: Da hilft es mir, wenn ich alles möglichst genau im Voraus weiss. Das ist natürlich auch für meine Bezugspersonen manchmal herausfordernd.

Du hast die Wichtigkeit deiner Rituale erwähnt. Magst du ein Beispiel geben?

Meine Rituale gehören zu den wichtigsten Dingen in meinem Alltag. Sie geben mir Sicherheit, Ruhe und Halt. Zum Beispiel ist mein Morgen auf die Minute genau geplant. Wenn auch nur ein Punkt davon abweicht, bin ich schnell komplett aus der Bahn, und wieder «reinzufinden» ist in solchen Situationen für mich sehr schwierig.

Wie wirst du diesbezüglich in der Ausbildung unterstützt?

Seit Beginn meiner Ausbildung werde ich von der IV begleitet. In der Schule erhalte ich deshalb einen Nachteilsausgleich. Wenn im Betrieb etwas nicht gut läuft oder Fragen auftauchen, können wir uns jederzeit bei meinem IV-Coach melden. Das gibt mir – und ich glaube auch meinem Betrieb – Sicherheit.

Was gibt dir in schwierigen Momenten Halt?

Definitiv meine Bezugspersonen.

Was fällt dir heute leichter als am Anfang?

Am Anfang der Lehre war es für mich unmöglich, Tests im Klassenzimmer zu schreiben. Das ist für mich heute langsam machbar geworden.

«Ich habe gelernt, Schritt für Schritt besser mit Prüfungen umzugehen.»

erzählt Sophie über ihre Entwicklung während der Ausbildung

Welche Ziele hast du für die nächsten Jahre?

Mein Ziel ist es natürlich, die Lehre mit möglichst guten Noten abzuschliessen. Ein Weg, den ich mir gut vorstellen könnte, ist später an die PH zu gehen.

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Das Interview wurde im Juni 2026 geführt.

«Pflanzenkompetenz entsteht durch Neugier, Beobachtung und Erfahrung – und wächst mit jeder Begegnung.»

Philipp Geissbühler, Berufsgruppenleitung Gärtner/-in

Sophia bei ihren liebsten Blumen auf dem Pflanzenparcours: ((Name der Pflanze dt. und lat.)).

Sophia bei ihren liebsten Blumen auf dem Pflanzenparcours: ((Name der Pflanze dt. und lat.)).

Pflanzen entdecken statt auswendig lernen

Seit August 2024 gibt es keine verbindliche Pflanzenliste und keine Abschlussprüfung mehr im Fach Pflanzenkenntnis. Stattdessen steht der Aufbau einer persönlichen Pflanzenkompetenz im Mittelpunkt – ganz nach dem Motto: «Ich sehe und vergesse. Ich höre und behalte. Ich handle und verstehe.» (Konfuzius).

Diesen Ansatz verfolgt die IDM bereits seit mehreren Jahren. Im Unterricht geht es heute nicht mehr darum, möglichst viele Pflanzen auswendig zu kennen. Entscheidend sind Neugier, genaues Hinschauen und das Verständnis dafür, wie sich Pflanzen im Laufe der Jahreszeiten verändern. So entsteht Pflanzenwissen durch Beobachtung, Erfahrung und den direkten Bezug zur Praxis – Kompetenzen, die Gärtnerinnen und Gärtner ein Berufsleben lang begleiten. Moderne Pflanzenbestimmungs-Apps unterstützen diesen Lernprozess und machen es einfach, Pflanzen auch unterwegs oder auf der Baustelle zu bestimmen.

Pflanzenreich

Rund 480 verschiedene Pflanzenarten machen das Schulareal des BBZ IDM zu einem lebendigen Pflanzenparcours. Die Arten sind teilweise nach Lebensbereichen oder Klimabedingungen geordnet. Die jüngsten Pflanzungen fördern die Biodiversität und bestehen fast ausschliesslich aus einheimischen Arten.

Alle Pflanzen sind nummeriert und einem Verzeichnis zugeordnet. So lädt der Parcours dazu ein, Pflanzen zu entdecken, zu bestimmen und das eigene Pflanzenwissen zu vertiefen oder zu überprüfen.

Pflanzenparcours IDM mit Plan und Verzeichnis (PDF)

Lernende im Zentrum

Zwei Stimmen – zwei Wege