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Einen internationalen Austausch mit der Zipatso Academy in Salima, einer Mittelschule in Malawi, haben wir gleich doppelt ermöglicht: Unsere BM-Lernenden nahmen digital teil, während unsere ABU- und EA-Lehrperson Sabine Wüthrich die Begegnung persönlich vor Ort erlebte. Unter dem Motto «Perspektivenwechsel» eröffneten sich allen Beteiligten spannende und nachhaltige Einblicke in den Schulalltag in Malawi – und damit wertvolle Erkenntnisse über ein Leben unter ganz anderen Bedingungen.

WhatsApp verbindet Thun mit Malawi

Mit selbst fotografierten Bildern aus ihrem Alltag starteten die Lernenden der bilingualen Klasse BM 2 2024b ihren WhatsApp-Austausch mit der Zipatso Academy in Malawi. Die Fotos – sorgfältig ausgewählt, um das Interesse der malawischen Jugendlichen zu wecken – dienten als Icebreaker: Schulweg, Frühstücksmüesli, Freizeit. Schnell wurde klar, wie unterschiedlich und doch ähnlich der Alltag sein kann.

Die Lernenden in Malawi wollen das Tattoo im Detail sehen. Die Klassenspiegel waren eine praktische Hilfe, um sich mit Namen anzusprechen.

Die Lernenden in Malawi wollen das Tattoo im Detail sehen. Die Klassenspiegel waren eine praktische Hilfe, um sich mit Namen anzusprechen.

So teilten die Lernenden der BM und malawische Gymnasiasten per WhatsApp Eindrücke aus ihrem Leben – Lieblingsessen, Fussball und Internatsleben inklusive. Die Gespräche, geführt auf Englisch, kreisten um Zukunftspläne, Tattoos, die bei den Jugendlichen aus Malawi für Fragen und Staunen sorgten, und die kleinen Details des Alltags. Dank rotierender Dreiergruppen kamen alle ins Gespräch – ein lebendiger Austausch, der Vorurteile abbaute und den Horizont erweiterte.

Austausch

«Do you guys want to see the mountains?» – Live-Austausch zwischen der Schweiz und Malawi: vor Schneebergen oder … (Video Malawi-Austausch: Kamera und Schnitt © Samuel Bossart)

... unter dem Mango-Baum.

... unter dem Mango-Baum.

zVg

Trotz tausender Kilometer Distanz und ganz anderer Lebensumstände, so das Fazit der Lernenden, gab es viel mehr Gemeinsames, als man zunächst gedacht hatte. Ein Stück gelebte (Welt-)Geschichte und Politik, das neugierig machte und verband.

Begleitet wurde der Austausch von Martin Schaer, der die Zipatso Academy gegründet hat und regelmässig nach Malawi reist. Er stand den Lernenden Red und Antwort und gab spannende Einblicke in die Hintergründe der Schule und den Alltag vor Ort.

Die Zipatso Academy in Malawi

Die Zipatso Academy ist eine private Secondary School in Malawi, die jungen Menschen nach Abschluss der sechsjährigen Primary School Zugang zu weiterführender Bildung bietet. Das Schulsystem gliedert sich in zwei Stufen: Form 1 und 2 als Unterstufe sowie Form 3 und 4 als Oberstufe. Insgesamt umfasst die Secondary School somit eine vierjährige Ausbildungszeit, die sich an den staatlichen Lehrplänen orientiert. 

zur Zipatso Academy

Unterwegs als Lehrerin in Malawi

Die langjährige Lehrperson Sabine Wüthrich erfüllte sich 2022 einen Lebenstraum: mehrere Monate Englisch an der Zipatso Academy in Malawi zu unterrichten.

Dank einer Vielzahl von nicht ausbezahlten Lektionen konnte Sabine den Einsatz als Sabbatical wahrnehmen. Nach einem ersten Besuch im Jahr 2021 war für Sabine die Sache klar. «Ich tat alles, um dies Wirklichkeit werden zu lassen», sagt sie rückblickend.

In Malawi erwartete sie ein Schulalltag, der in vielem anders war als in der Schweiz. Auf dem Campus lebten Lernende und Lehrpersonen nahe beieinander, die Woche begann mit Hymne und Gebet. Die Jugendlichen trugen ihre adrette Schuluniform, während Sabine in persönlicher Kleidung unterrichtete. «Aufgrund der Schuluniform entsteht sofort eine Klasseneinheit, was die Konzentration begünstigt», erzählt sie. Schwierigkeiten gab es auch: Stromausfälle, bis zu vier Jahre Altersunterschied in einer Klasse und der Unterricht fast ausschliesslich mit Kreide und Wandtafel. «Ich scannte Prüfungsunterlagen im Sonnenlicht mit meinem Handy, um überhaupt etwas verteilen zu können», sagt sie mit einem Lächeln.

Am "Lyssig Day" – ein karitativer Schulanlass für Bedürftige im Nachbardorf Kapatenga. Ein Lernender übergibt einer Dorfbewohnerin eine materielle Spende.
Endlich Regen
Gruppenarbeit
In einem Schulraum der Zipatso Academy – auf dem Bild sieht man auch die Lehrperson für Computer Science Elizabeth Jackson.

Besonders prägend waren die Begegnungen mit den Jugendlichen. Der Respekt, den sie der Lehrerin entgegenbrachten, berührte Sabine tief. «Eines Tages bat mich eine Klasse, ob sie mein europäisches Haar berühren dürften. Plötzlich stand ich unter vielen Händen, die meinen Kopf streichelten. Ein magischer Moment.» Auch die vertraute und wohlwollende Unterrichtsatmosphäre machte jeden Tag zu einer Bereicherung.

Mit meinen beiden Klassen – am Abschiedstag.
Der Eingang des Hauptgebäudes.
Sabine Wüthrich mit ihren Freundinnen aus Malawi
Am Flughafen kurz vor der Rückreise.

Neben der Schule erlebte Sabine den Campusalltag mit Ziegen und Hähnen, welche sie im Morgengrauen weckten. An die grosse Hitze gewöhnte sie sich schliesslich. Mit einem Strom-Blackout im Alltag umzugehen, überforderte sie als infrastrukturverwöhnte Ausländerin bisweilen. Die Stromversorgung von Malawi ist nicht gesichert, so dass die Bevölkerung sich die verfügbare Energie teilen muss. Die Lösung hiess: Gelassenheit und zusätzliche ladbare Speicherlampen und -geräte anschaffen. 

Zum Abschluss des Gesprächs fügt sie an, sie habe auf allen Ebenen von dieser Erfahrung profitiert.

«Diese Erfahrung hat mich Gelassenheit gelehrt und mir gezeigt, was wirklich zählt: Vertrauen, Verlässlichkeit und die Menschen, die einen umgeben.»

Sabine Wüthrich, Lehrperson für Allgemeinbildung und erweiterte Allgemeinbildung (Deutsch, Französisch, Englisch als Vorbereitung zur Berufsmaturität)

Sabines Malawi-Erfahrungen – ausführlich erzählt

Neugierig geworden? Der Link führt zu vertieften Einblicken in den Schulalltag in Malawi – mit weiteren Eindrücken und persönlichen Erfahrungen, die über die gekürzte Fassung hinausgehen.

zum vollständigen Interview mit Sabine

Feier mit Weitblick – Berufsmaturitätsfeier beleuchtet «Perspektivenwechsel»

Inspiration aus Malawi und Musik aus dem Wallis prägten die diesjährige Abschlussfeier

Unter dem Motto «Perspektivenwechsel» feierten die diesjährigen Berufsmaturitätsklassen ihren erfolgreichen Abschluss. Die Veranstaltung fand in feierlichem Rahmen statt und bot den rund 750 Gästen nicht nur Gelegenheit zum Rückblick, sondern vor allem auch zum Umdenken – im besten Sinne des Wortes.

Im Zentrum der Feier stand ein lebendiges und zugleich tiefgründiges Gespräch mit Martin Schaer, Gründer der Zipatso Academy, einer Mittelschule in Malawi. Gemeinsam mit vier frisch diplomierten Absolventinnen und Absolventen der BM sprach er über die Chancen und die Bedeutung eines Perspektivenwechsels – sowohl im globalen als auch im persönlichen Kontext. Das Gespräch war geprägt von persönlichen Anekdoten, überraschenden Einsichten und feinem Humor. Die Anwesenden erfuhren eindrücklich, wie ein bewusster Blickwechsel den Horizont erweitern und neue Wege eröffnen kann – ob in der Schweiz oder in Afrika.

Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel: Martin Schaer, Gründer der Zipatso Academy.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel. Melanie Pfammatter, BM-Abteilungsleiterin, bedankt sich bei Martin Schaer, dem Gründer der Zipatso Academy.

Ein besonderer Höhepunkt nebst der Diplomübergabe war die bewegende Preisverleihung, bei der herausragende Leistungen einzelner Absolventinnen und Absolventen von der stellvertretenden BM-Abteilungsleiterin Nicole Schäfer gewürdigt wurden.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von «L’entourage du désert», einer Walliser Band, die dem Abend eine besondere Note verlieh. Ihr Repertoire reichte von leisen Balladen bis zu mitreissenden, teils afrikanisch inspirierten Rhythmen – eine musikalische Reise, die die Vielfalt der Perspektiven auf ihre eigene Art widerspiegelte.

Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.

BM-Abteilungsleiterin Melanie Pfammatter würdigte in ihren Schlussworten die Leistungen der Absolventinnen und Absolventen und hob hervor, wie wichtig Offenheit und Neugier auf dem weiteren Berufs- und Lebensweg seien.

«Manchmal hilft ein neuer Blickwinkel, um weiterzukommen.»

Melanie Pfammatter, Abteilungsleitung Berufsmaturität

Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.
Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.

Mit einem Apéro, vielen lachenden Gesichtern und herzlichen Umarmungen klang die Feier aus – ein würdiger Abschluss für junge Menschen, die bereit sind, die Welt mit neuen Augen zu sehen.

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Thun, Ende Juni 2025

Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.

Berufsmaturitätsfeier beleuchtet Perspektivenwechsel.

Fotos der Berufsmaturitätsfeier © Felix Gerber

Der Abschluss sei emotional und von Dankbarkeit geprägt gewesen, meint Salome. Sie hat im Schuljahr 2024/25 am BBZ IDM die BM 2 absolviert.

Zum Portrait der Berufsmaturandin

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