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Vom Bauernhof bis zur Weltmeisterschaft: Ihre Leidenschaft für Blumen hat Selina konsequent verfolgt – heute verbindet sie floristisches Können mit der Freude, ihr Wissen an Lernende weiterzugeben.

Selina auf einer Sitzbank vor dem Schulgebäude in Thun.

Selina Messerli

Bildungsweg: Floristin EFZ (Ausbildungsende im Sommer 2022), Floristin mit eidgenössischem Fachausweis (Ausbildungsende im Sommer 2024), Anstellung als Floristin bei Blumen Maarsen in Bern

Alter: 22 Jahre

Lieblings-App: Spotify

Selina, wer bist du? Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Ich bin die Älteste von sechs Kindern und auf einem Bauernhof mitten in der Natur aufgewachsen. Pflanzen und Blumen begleiten mich, seit ich denken kann. Drei Worte, die mich gut beschreiben: spontan, unternehmungslustig und kreativ.

Wie verbringst du deine freie Zeit am liebsten?

Ich wandere gerne in den Bergen, lese oder treffe mich mit Freunden.

Wie bist du auf den Beruf der Floristin gekommen? Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus?

Floristin war schon seit der 7. Klasse mein Traumberuf. Zu Hause hatte ich reichlich Zugang zu Blumen und Naturmaterialien, und schon als Kind habe ich daraus verschiedenste Kreationen gestaltet. Als es dann um die Berufswahl ging, stand mein Entschluss früh fest. Meine Eltern rieten mir, auch andere Berufe kennenzulernen – ich schnupperte in einer Bäckerei, in einem Coiffeurgeschäft und in einer Gärtnerei. Doch mein Berufswunsch blieb bestehen, und so begann ich 2019 meine Lehre bei Blumen Hirter in Belp.

Im dritten Lehrjahr erzählte uns unsere Berufsfachschullehrerin am BBZ IDM von den SwissSkills, den Schweizer Berufsmeisterschaften. Mein Interesse war sofort geweckt und ich meldete mich für die SwissSkills 2022 an – zwei Monate nach meiner LAP. Ich durfte den Wettbewerb gewinnen und bereitete mich danach auf die WorldSkills in Lyon vor, die im September 2024 stattfanden. Parallel dazu absolvierte ich die Berufsprüfung für den eidgenössischen Fachausweis in Rorschach und arbeitete 60–80 % bei Blumen Maarsen, wo ich heute noch tätig bin.

Seit den WorldSkills habe ich eine neue Aufgabe übernommen: Ich leitete meine ersten überbetrieblichen Kurse (ÜK) und war dieses Jahr erstmals als Prüfungsexpertin im Qualifikationsverfahren tätig.

Dieses Bild gehört zu Selinas Favoriten, da es die Konzentration und die filigrane Kunst ihrer Arbeit bei den WorldSkills widerspiegelt. «Floristry» – Selina Messerli während der WorldSkills 2024 in Lyon, Frankreich.

Dieses Bild gehört zu Selinas Favoriten, da es die Konzentration und die filigrane Kunst ihrer Arbeit bei den WorldSkills widerspiegelt. «Floristry» – Selina Messerli während der WorldSkills 2024 in Lyon, Frankreich.

Foto © Stefan Wermuth / SwissSkills

Wie würdest du die SwissSkills, EuroSkills und WorldSkills jemandem erklären, der diese Anlässe nicht kennt?

Die SwissSkills sind die Schweizer Berufsmeisterschaften, bei denen sich die besten jungen Berufsleute in ihrem jeweiligen Beruf untereinander messen. Die Wettkämpfe sind öffentlich und bieten eine grosse Vielfalt an Berufen, die man auf dem Bernexpo-Gelände entdecken kann. Ziel ist es auch, die Berufslehren für Jugendliche sichtbar und attraktiv zu machen.

Die EuroSkills und WorldSkills sind die internationalen Berufswettkämpfe, bei denen die nationalen Siegerinnen und Sieger ihre Berufe auf internationaler Ebene vertreten – man tritt also gegen Berufsleute aus der ganzen Welt an.

Wie lief der Wettbewerb ab?

Bei den SwissSkills gab es Halbfinals mit je sechs Teilnehmenden, die verschiedene Aufgaben spontan lösen mussten – niemand wusste im Voraus, was kommt. Zwei Personen pro Gruppe kamen ins Finale, wo erneut spontane Aufgaben zu bewältigen waren. Im Beruf Floristin werden Kreativität und Flexibilität besonders belohnt.

Auch bei den WorldSkills waren die Aufgaben spontan. Man muss sich eine breite Palette an Techniken und Materialien aneignen, um bei jeder Aufgabe flexibel reagieren zu können.

Wie hast du die Teilnahme erlebt?

Ich hatte bei jedem Wettkampf grosse Freude. Ich konnte zeigen, was ich kann, mich mit anderen messen und viel Neues lernen – sei es eine Technik, der Umgang mit mentalem Druck oder das Kennenlernen neuer Menschen. Es war bereichernd und ich bin stolz, ein so schönes Handwerk auszuüben.

Wie war der Austausch mit anderen Nationen bei den WorldSkills?

Der Anlass war riesig – die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer kamen aus der ganzen Welt. Es gab einen Kennenlerntag, an dem man sich im eigenen Skill austauschen konnte. Während der Wettkampftage blieb dafür wenig Zeit, da der Tagesablauf streng getaktet war: Wettkampf, Essen, Regeneration – alles musste gut geplant sein.

Was bleibt dir besonders in Erinnerung?

Der Zusammenhalt im Schweizer Nationalteam war beeindruckend. Wir waren 45 Teilnehmende aus 41 Berufen – und obwohl jede Person einen anderen Beruf ausübt, haben wir uns gegenseitig unterstützt. Unser Teamspruch lautete: Einer für alle, alle für einen.

«Wage das Abenteuer, sei mutig und bleibe dir selbst treu.»

Das rät Selina allen, die gerne an den WorldSkills teilnehmen möchten.

Zurück zum Alltag: Was gefällt dir an deiner beruflichen Tätigkeit besonders?

Ich schätze die abwechslungsreichen Aufgaben und den täglichen Kontakt mit Kundinnen und Kunden – ihre Wünsche sind sehr unterschiedlich und machen den Alltag spannend. 

Gibt es auch etwas, das dich herausfordert?

Wenn ich selbst keinen guten Tag habe und dann eine Reklamation kommt, ist es für mich herausfordernd, geduldig und zuvorkommend zu bleiben. Zum Glück passiert das selten – und genau solche Situationen machen den Berufsalltag lebendig.

Was würdest du jemandem sagen, der Floristin oder Florist werden möchte?

Wenn du gerne mit Naturmaterialien arbeitest und den Kontakt zur Kundschaft schätzt, bist du in diesem Beruf richtig. Wichtig ist, dass du gerne auf den Beinen bist – du stehst täglich rund neun Stunden. Aber die grüne Atmosphäre macht das mehr als wett.

Wie gehst du mit Stress oder Druck um?

Ich schreibe To-do-Listen, wenn ich den Überblick verliere. Das Abhaken motiviert mich, weiterzumachen. Wenn ich gestresst bin, gehe ich raus in die Natur – dort finde ich Ruhe und Klarheit.

«Am Schulalltag gefällt mir, dass ich ständig Neues dazulerne und meinen Horizont erweitern kann. Ich bin überzeugt: Man hat nie ausgelernt.»

Was hast du am BBZ IDM besonders geschätzt?

Während der Corona-Zeit konnten wir keine Abschlussreise machen. Als Alternative durften wir als Klasse zwei florale Installationen im Eingangsbereich des IDM Thun gestalten – unterstützt unter anderem vom damaligen Direktor. Das habe ich als sehr wertschätzend empfunden: Die Schulleitung hat uns ernst genommen und gemeinsam mit uns eine schöne Lösung gefunden.

Was zeichnet das BBZ IDM deiner Meinung nach aus?

Man erhält jederzeit Unterstützung, wenn es in der Lehre einmal nicht rund läuft. Es gibt immer die richtigen Fachpersonen, an die man sich wenden kann.

Selina in den Räumlichkeiten des Standortes Mönchstrasse in Thun.

Selina in den Räumlichkeiten des Standortes Mönchstrasse in Thun.

Fotos © KOM BBZ IDM

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass unser Beruf trotz steigender Kosten bestehen bleibt.

Was sind deine Pläne?

Ich möchte einen Sprachaufenthalt machen und in verschiedenen Bereichen der Floristik Erfahrungen sammeln – etwa in der Hochzeits-, Hotel- oder Eventfloristik. Die Ausbildung liegt mir besonders am Herzen, deshalb werde ich mich weiterhin dafür einsetzen. Langfristig möchte ich die Meisterprüfung absolvieren und vielleicht auch eine didaktische Ausbildung anschliessen.

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Das Interview wurde im Juni 2025 geführt.

Berufliche Bildung am BBZ IDM

Unser Berufsbildungszentrum bildet nicht nur Floristinnen und Floristen aus – insgesamt sind es 29 Ausbildungen, die in Thun angeboten werden. Auf unserer Website findest du eine Übersicht der Berufe.

Die berufliche Bildung am IDM

Vom Schweizermeister zur Weltbühne

Luis Salzmann erzählt von seinem Weg zu den WorldSkills – und von den Erfahrungen, die ihn dabei besonders beeindruckt haben.

Da ich im September 2023 an den IndustrySkills in Bern zum Schweizermeister der Konstrukteure erkoren wurde, habe ich mich direkt für die WorldSkills 2024 qualifiziert.

Luis an den WorldSkills in Lyon 2024.

Luis an den WorldSkills in Lyon 2024.

Foto © Tatjana Schnalzger

Name: Luis Salzmann

Bildungsweg: Konstrukteur EFZ (Ausbildungsende im Sommer 2024), Teilzeitanstellung bei Fritz Studer AG, Rekrutenschule als Richtstrahlpionier, ab Januar 2025 Vorbereitung für die Passerelle-Ergänzungsprüfung (August 2025), Bachelor in Maschineningenieurwissenschaften an der ETH Zürich (Start im Herbst 2025)

Alter: 20 Jahre

An den WorldSkills mitzumachen war für mich eine unvergessliche Reise. Ich durfte nebst der Vorbereitung in der Firma, den Trainingsweekends des SwissSkills-Nationalteams, den öffentlichen Trainings an verschiedenen Orten, dem Medientraining und dem mentalen Training auch viele interessante Persönlichkeiten kennenlernen. Der Weg war das Ziel, und so konnte ich viele schöne und anstrengende Momente erleben und als Erinnerung abspeichern. An den WorldSkills selbst war es sehr interessant, die anderen Teilnehmenden aus anderen Nationen zu treffen und sich auszutauschen.

Nebst der organisatorischen Meisterleistung seitens der WorldSkills-Akteure war für mich der Grundgedanke zur Verbesserung der internationalen Berufsbildung sehr beeindruckend. Viele aus den 70 teilnehmenden Ländern hatten nicht die Möglichkeit für Medaillenplätze am Wettkampf, jedoch konnten sie ihre eigene Berufsbildung weiterentwickeln und mit grösseren Nationen Erfahrungen austauschen. WorldSkills dient dabei als Fundament, um einerseits die Stärksten und Besten zu präsentieren, aber auch den Unterlegenen zu helfen und deren Entwicklung zu fördern.

«Mechanical Engineering CAD» – Luis Salzmann während der WorldSkills 2024 in Lyon, Frankreich.

«Mechanical Engineering CAD» – Luis Salzmann während der WorldSkills 2024 in Lyon, Frankreich.

Foto © Stefan Wermuth / SwissSkills

Dies ist eine Aufnahme vom letzten Tag, an der letzten Aufgabe – dem 3D-Scanning. Ein Aufgabentyp, bei dem man ein physisches Teil erhält (auf dem Bild vorne zu sehen) und dies anhand eines 3D-Scanners in eine digitale Punktewolke verwandelt. Anhand dieser kann man mit CAD-Programmen ein 3D-Modell generieren und dann die nötigen Anpassungen vornehmen. Dieses sogenannte «Reverse Engineering» hat mich am meisten herausgefordert und mental beansprucht. Das Foto zeigt meinen Versuch, auch noch in den letzten Stunden alles zu geben und möglichst viele Punkte zu erreichen.

«Ich möchte den Bachelor in Maschineningenieurwissenschaften an der ETH Zürich absolvieren. Wenn mir diese Studienrichtung voll und ganz gefällt, würde ich einen Master-Abschluss in eine ähnliche Richtung in Betracht ziehen.»

Luis über seine Wünsche für die Zukunft.

Luis ermutigt mögliche WorldSkills-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer mit folgenden Worten: «Probieren geht über Studieren! Man hat die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen und viele berufliche Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Dies alleine ist Grund genug, um es einfach einmal zu probieren.»

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Der Text wurde im Juni 2025 verfasst.

SkissSkills

SwissSkills fördert die Durchführung und Weiterentwicklung von Berufsmeisterschaften in der Schweiz und ermöglicht jungen Berufsleuten die Teilnahme an internationalen Berufsmeisterschaften (WorldSkills, EuroSkills) und macht die besten jungen Berufsleute sichtbar.

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Lernende im Zentrum

Drei Stimmen – drei Wege