Mit grossem Engagement und Lernfreude hat Salome einen neuen beruflichen Weg eingeschlagen – die Berufsmaturität brachte sie ihrem Traum vom Psychologiestudium einen entscheidenden Schritt näher.
Salome Studer
Bildungsweg: Fachfrau Gesundheit, BM 2 am BBZ IDM, Psychologiestudium an der Uni Fribourg (Start im Herbst 2025)
Alter: 36 Jahre
Lieblings-App: Spotify
Erzähl mal kurz: Wer bist du?
Ich bin eine neugierige, kreative und begeisterungsfähige Person. Neue Themen faszinieren mich ebenso wie der Mensch an sich. Ich bin seit 15 Jahren verheiratet und zusammen mit meinem Mann sind wir Eltern von zwei Kindern (10 und 12 J.).
Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ich bin gerne draussen – sportlich beim Joggen oder unterwegs in den Bergen. Ausserdem tanke ich auf bei einem feinen Kaffee und einem interessanten Gespräch mit Freunden.
Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus?
Ursprünglich waren meine Berufswünsche Hebamme oder Grafikerin. Und ich wollte immer jung Mami werden. Da meine ganze Familie in der Pflege tätig ist, war ein Beruf im Gesundheitswesen naheliegender. Ich besuchte dann 2004 den ersten Lehrgang zur Fachfrau Gesundheit. Nach der Lehre sammelte ich Erfahrungen in verschiedenen Institutionen, merkte aber bald, dass es nicht mein Traumberuf ist. Mein Mann und ich heirateten jung, reisten gemeinsam und gründeten später eine Familie – damit trat meine berufliche Entwicklung zunächst in den Hintergrund.
Als die Kinder grösser wurden, arbeitete ich Teilzeit im Innendekorationsbereich. Doch immer stärker spürte ich den Wunsch, mich beruflich noch einmal ganz neu aufzustellen. Ich hatte noch viele Berufsjahre vor mir – und einen grossen Hunger nach Bildung.
Warum hast du dich für die BM entschieden?
Meine Berufswünsche waren nur mit der Grundlage der BM zu erreichen. Nach und nach wagte ich es, den grossen, bisher unerreichbar scheinenden Traum umzusetzen und die BM zu absolvieren. Ich besuchte den EA-Vorkurs. Bereits dort wurde mir klar: Diese breit gefächerte Bildung ist genau das, was ich in den kommenden zwei Jahren machen möchte. Das berufsbegleitende Modell – in meinem Fall eher familienbegleitend – erwies sich als ideale Kombination: An drei Tagen war ich zu Hause für die Familie da, an zwei Tagen durfte ich mich ganz der Bildung widmen und neues Wissen aufsaugen.
Salome in den Räumlichkeiten des Standortes Mönchstrasse in Thun.
Fotos © KOM BBZ IDM
Was gefällt dir an deinem Schulalltag besonders?
Ich geniesse es sehr, meinen Schulalltag mit meinen jungen Mitschülerinnen und Mitschülern zu teilen. Der Austausch mit ihnen ist eine Bereicherung für mein Leben. Ebenso mit den Lehrpersonen. Von ihrem Fachwissen und ihren Erfahrungen zu profitieren ist für mich ein grosses Privileg.
Und gibt’s auch etwas, das dich manchmal herausfordert oder nervt?
Gruppenarbeiten sind immer mit einem grossen Mehraufwand verbunden und die Motivation dafür wird mit jeder weiteren Arbeit geringer. Mir ist bewusst, dass das Arbeiten im Team eine unerlässliche Kompetenz für die Zukunft ist, doch ich frage mich zunehmend, ob der Zweck wirklich alle Mittel heiligt.
Gibt es eine Lehrperson, die dich besonders geprägt hat?
Ja, Rolf Ambauen. Ich kam mit so vielen Lernunsicherheiten in den Vorkurs und sein Glaube an mich hat mich enorm ermutigt. Es war überhaupt spannend zu beobachten, wie sehr Aussagen von Lehrpersonen motivieren oder entmutigen können – manchmal wirkten Worte wie ein Katalysator, im positiven wie im negativen Sinn.
Woran hast du erkannt, dass uns die Lernenden wichtig sind, – dass du im Zentrum stehst?
Mit was für einer unglaublichen Geduld uns jeweils immer und immer wieder dieselben Themen erklärt wurden, bis wir sie verstanden hatten, war beeindruckend. Allgemein, auch bei den Planungen für Proben oder bei externen Prüfungen, wurden wir sehr miteinbezogen.
Gibt es etwas, das du am Anfang anders eingeschätzt hast?
Zu Beginn war ich unsicher, ob ich genug Motivation aufbringen würde, um all die neuen Themen zu bewältigen – gerade in Recht und Wirtschaft begegnete mir vieles zum ersten Mal. Doch das direkte Feedback in Form von Noten hat mich enorm angespornt. Ganz anders als beim Muttersein, wo man jahrelang investiert und die «Ergebnisse» erst viel später sichtbar werden.
Wie gehst du mit Stress oder Druck um?
Ich übe immer noch. Ganz aktuell, dass mein Lernehrgeiz nicht in eine ungesunde Richtung geht und ich mich verausgabe. Mir hilft es, wenn ich bewusst herauszoome und den Blick auf das grosse Ganze richte – also auf das, was langfristig zählt wie die Familie –, das rückt vieles wieder in das richtige Verhältnis. Aber Prüfungen werden mich noch lange begleiten, ich habe also noch viele Übungsmöglichkeiten. 😊
«Ich freue mich sehr darüber, dass mein Bildungsweg noch weitergehen darf.»
Was hast du nach der Berufsmaturität vor?
Mein Hauptziel war, durch die «Ü30-Prüfungen» an die Uni Fribourg zu gelangen, um Psychologie zu studieren. Da es ähnlich wie «sur Dossier» ist, einfach mit Aufnahmeprüfungen, wäre eine BM theoretisch nicht nötig gewesen. Ich wusste aber, dass ich mir dieses nötige Wissen nur mittels BM aneignen kann.
Hast du dein Ziel erreicht?
Ja, ich habe alle Aufnahmeprüfungen bestanden und werde nun diesen Herbst mit dem Studium beginnen. Besonders wichtig ist für uns, die Kinderbetreuung, mein Studium und die Arbeit meines Mannes immer wieder gut aufeinander abzustimmen – damit niemand zu kurz kommt und unsere Pläne nachhaltig gelebt werden können. Ich freue mich sehr darüber, dass mein Bildungsweg noch weitergehen darf.
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Das Interview wurde Ende Mai 2025 geführt.
Die Berufsmaturität (BM) vermittelt begabten Lernenden und Berufsleuten eine erweiterte Allgemeinbildung und bereitet sie auf das Studium an einer Fachhochschule FH oder an einer anderen weiterführenden Bildungsinstitution vor.
Salome an der Berufsmaturitätsfeier.
Foto Berufsmaturitätsfeier © Felix Gerber
«Der Abschluss war emotional, berührend, wehmütig und geprägt von einer grossen Dankbarkeit über das Vergangene», verriet Salome Anfang Juli anlässlich der Berufsmaturitätsfeier.