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Mit Offenheit und Zielstrebigkeit gestaltet Joel seinen Weg – getragen von engagierter Begleitung und einem Lernumfeld, das selbstbestimmtes Lernen fördert und persönliches Wachstum ermöglicht.

Joel sitzt in einem Meeting

Joel Annen

Ausbildung: Vorlehre Brückenangebote Berufsbildungszentrum IDM Spiez als Netzelektriker EFZ bei der BKW, Ausbildung zum Unterhaltspraktiker EBA bei der Gemeinde Saanen (Start im August 2025)

Alter: 17 Jahre

Lieblings-Apps: WhatsApp und Facebook

Beim Gespräch mit dabei ist Simona Tanner. Sie ist Lehrperson Vorlehre Brückenangebote am BBZ IDM Spiez, zusätzlich hat sie das Coaching von Joel Annen übernommen.

 

Joel, magst du dich kurz beschreiben?

Ich bin eine sehr offene und hilfsbereite Person. Im Gespräch mit meinen Mitmenschen höre ich gerne zu. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen kann ich auch lustig sein.

Wie verbringst du deine Freizeit am liebsten?

Am liebsten mit meinen Freunden und meiner Familie. Einfach mit meinen liebsten Leuten. Dabei geht es mir vor allem um das gemütliche Zusammensein oder darum, gemeinsam etwas zu unternehmen, beispielsweise Tagesausflüge.

Wie sieht dein Werdegang aus? 

Während der Vorlehre habe ich bei der BKW Regionalvertretung Oberland als Netz -und Starkstromelektriker gearbeitet. In dieser Zeit stellte sich heraus, dass mein schulisches Rüstzeug nicht für eine EFZ-Lehre reichen wird. Leider bieten sämtliche Elektrikerberufe keine zweijährige Grundbildung EBA an. Somit schaute ich mich nach weiteren beruflichen Möglichkeiten um. Nach Schnupperlehren in den Berufen Logistiker, Sanitär- und Unterhaltspraktiker entschied ich mich schliesslich für die Ausbildung zum Unterhaltspraktiker.

Warum hast du dich für den Beruf Unterhaltspraktiker entschieden?

Im Werkhof in Saanen darf ich häufig draussen arbeiten, das gefällt mir ausgesprochen gut. Ich arbeite zudem sehr gerne im Team. Das Werkhof-Team passt mir, wir verstehen uns. So macht mir das Arbeiten Spass.

Magst du noch erzählen, was du vor der Vorlehre gemacht hast? Wo du die Schule besucht hast, was die Herausforderungen dabei waren?

Ich besuchte zwölf Jahre die Heilpädagogische Schule in Gstaad. Diese Schule besuchte ich, weil ich erst mit sieben Jahren sprechen konnte. Ich lernte zuerst lesen und erst danach reden. In der obligatorischen Volksschule wäre mir das Tempo zu schnell gewesen. Dank der Heilpädagogischen Schule hatte ich mehr Zeit zum Lernen, das half mir sehr.  Zumal ich in den letzten Schuljahren verstanden habe, dass ich für mich lerne und nicht für die Lehrpersonen.

«Ich habe gelernt, eins nach dem anderen zu machen – und mich dabei nicht stressen zu lassen.»

Joel äussert sich über wichtige Lernschritte während der Vorlehre.

Joel darf zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Joel darf zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Fotos © KOM BBZ IDM

Was gefällt dir an deinem Schulalltag besonders gut?

Den Übertritt in die Vorlehre am BBZ IDM erlebte ich zuerst als schwierig, weil ich niemanden kannte. Nach einer zweiwöchigen Eingewöhnungszeit kannte ich bereits mehrere Mitlernende, was mir den Schulalltag erleichterte. Ich schätze in der Vorlehre, dass ich – verglichen mit früher – mehr Freiraum erhalte. Die Möglichkeit, selbstständig zu wählen, welche fachlichen Schwerpunkte ich beim Lernen setzen will, entspricht mir sehr. Ich kann dadurch besser planen, wofür ich meine Zeit verwenden will. Das führt dazu, dass ich mit dem Lernstoff schneller vorwärtskomme.

Simona Tanner ergänzt:

Du hast riesige Schritte gemacht. In der Vorlehre durftest du vermehrt entdecken, wie du es selber schaffen kannst, da wir dir weniger Vorgaben machten. Diesen Effekt erleben wir oft. Wenn die Lernenden die Selbstwirksamkeit wirklich spüren und erleben, können sie ihr eigenes Potenzial noch besser entfalten.

Joel, gibt es Aufgaben, die du am liebsten machst, die dir besonders Spass machen?

Matheaufgaben mache ich gerne. Besonders gefällt mir der berufsspezifische Unterricht «Bau – Technik – Natur» in der Werkstatt.

Und gibt’s auch etwas, das dich manchmal herausfordert oder nervt?

Nerven tut mich eigentlich nichts. Herausfordernd ist für mich die deutsche Rechtschreibung.

Bleibt dir etwas besonders in Erinnerung? Irgendein Projekt oder ein Erlebnis?

Ich erinnere mich gerne an die Ausflüge, die wir gemacht haben – zum Beispiel in den Seilpark oder ins Naturhistorische Museum. Die haben alle grossen Spass gemacht.

Gibt es jemanden, der dich während der Vorlehre besonders geprägt hat?

Alle Lehrpersonen, die hier unterrichten, haben mich geprägt. Sie sind sehr hilfsbereit, unterstützen mich jederzeit, wenn ich Hilfe brauche. Im Umgang mit uns sind sie sehr achtsam. Wenn wir zum Beispiel ein Problem haben, helfen sie uns, damit wir schlussendlich die Lösung selbstständig finden.

Woran hast du erkannt, dass uns die Lernenden wichtig sind, dass du im Zentrum stehst?

Die Lehrpersonen führen uns in die Selbstständigkeit. So habe ich gemerkt, dass ich mithilfe des Lernjournals selbst einen Plan machen kann. Jederzeit stehen uns die Lehrpersonen für unsere Anliegen zur Verfügung. Manchmal arbeiten wir komplett selbstständig, dann wieder mit ihnen zusammen. Wir werden von den Lehrpersonen sorgfältig begleitet und für unsere berufliche Zukunft fit gemacht.

Simona Tanner ergänzt:

Als Lehrpersonen entscheiden wir laufend, wie wir den Tag gestalten. Je nach Klassengefüge und -stimmung sowie den Bedürfnissen der Lernenden passen wir die Planung an. Es gibt Inputs in der Klasse, selbstständiges Arbeiten, individuelle Aufträge sowie Arbeiten in Kleingruppen. Das ist abwechslungsreich, aber es gibt auch Phasen, in denen wir stark auf das selbstständige Arbeiten fokussieren. Das kann für manche Lernenden herausfordernd sein, diese Form entspricht nicht allen. Aber sie ermöglicht es den Lehrpersonen, individualisiert zu arbeiten und auf die Lernenden in ihren Herausforderungen bezüglich Selbstständigkeit entsprechend einzugehen.

«Bei uns findet Unterricht nicht hinter verschlossenen Türen statt. Offenheit ist Teil unseres Alltags – sowohl ganz praktisch als auch von der inneren Haltung her. So gelingen Austausch und Zusammenarbeit mit Externen.»

Simona Tanner, Joels Lehrperson, erläutert die Arbeitsweise des Kollegiums.

Joel, was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich im Werkhof Saanen die Lehre zum Unterhaltspraktiker EBA durchziehen und erfolgreich abschliessen kann. In der weiteren Zukunft werde ich sehen, welche Türen sich für mich zusätzlich öffnen und welche verschlossen bleiben.

Ein Ziel, das ich mir privat gesetzt habe, ist, die Autoprüfung zu bestehen und damit noch mehr Mobilität zu erhalten. Und in ferner Zukunft möchte ich gerne selbstständig wohnen und in die Ferien fahren.

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Das Interview wurde im Juni 2025 geführt.

Was ist eine Vorlehre?

Während der Vorlehre arbeiten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen drei Tage pro Woche in einem Betrieb oder in einem Privathaushalt und besuchen an zwei Tagen pro Woche den Unterricht am BBZ IDM. Sie sammeln praktische Erfahrungen, verbessern ihre persönlichen und schulischen Kompetenzen und können sich durch Engagement profilieren. Damit verbessern sie ihre Chancen bei der Lehrstellensuche.

Mehr erfahren

Wenn Zusammenarbeit trägt – Joels Weg aus Sicht der Fachpersonen

Case Management Berufsbildung: Koordination, Unterstützung und Perspektiven

Joel A. startete im Sommer 2024 seine Vorlehre als Netzelektriker bei der BKW. Aufgrund seiner schulischen und sprachlichen Herausforderungen wurde er im Rahmen eines spezialisierten Brückenangebotes vom Case Management Berufsbildung (CMBB) sowie einem Coach begleitet. Die Unterstützung umfasste organisatorische, schulische und persönliche Aspekte – von der Lehrstellensuche bis zur Koordination mit Ausbildnern und Lehrpersonen.

Joel zeigte sich durchgehend motiviert, belastbar und offen für neue Wege. Auch als sich abzeichnete, dass keine EFZ-Anschlusslösung bei der BKW möglich war, blieb er zielorientiert. Gemeinsam mit allen Beteiligten konnte eine passende EBA-Lehrstelle in Wohnortnähe gefunden werden.

Die Zusammenarbeit mit allen Partnern verlief konstruktiv und lösungsorientiert. Joel bringt viele persönliche Stärken mit und wurde auch von seiner Familie eng unterstützt. Mit dem Start der EBA-Ausbildung wird das Mandat des CMBB zurück an die IV übergeben – Joel wird weiterhin von der IV und seinem Coach begleitet.

«Joel hat mit beeindruckender Offenheit und Ausdauer seinen Weg verfolgt – auch dann, wenn es Umwege brauchte. Seine Zielstrebigkeit und die enge Unterstützung durch alle Beteiligten haben den Unterschied gemacht.»

Oliver Bösch, Case Manager Berufsbildung

IV-Stelle Kanton Bern: Eingliederung mit Weitblick und Vertrauen

Ich kenne und begleite Joel seit Anfang des Jahres 2022 im Rahmen der beruflichen Eingliederung. Zu diesem Zeitpunkt besuchte er noch die Heilpädagogische Schule in Gstaad. Seit ich Joel kennengelernt habe, haben mich seine grosse Selbständigkeit, seine ausserordentliche Motivation und Zielstrebigkeit beeindruckt.

Die IV wird im Falle von Joel während der Attest-Ausbildung zum Unterhaltspraktiker ein begleitendes Coaching finanzieren und ein IV-Taggeld ausrichten.

Die Zusammenarbeit mit Joel, seinen Eltern, dem CMBB, den Mitarbeitenden der IDM und dem Coach habe ich während der gesamten Vorlehre als sehr engagiert und konstruktiv erlebt. Alle haben an einem Strang gezogen, so dass glücklicherweise auch noch sehr kurzfristig eine passende Lehrstelle gefunden werden konnte.

«Es ist für mich besonders erfreulich, dass Joel, welcher seine gesamte Schulkarriere an einer Heilpädagogischen Schule bestritten hat, nun im ersten Arbeitsmarkt eine eidgenössisch anerkannte Ausbildung absolvieren kann.»

Sibylle Wingeier, Case Managerin Eingliederung Junge & Stv. Teamleiterin

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